Stadtentwicklung zwischen Siedlungsdruck, Erhalt der Landwirtschaft und Klimaschutz
Auf lebhaftes Interesse stieß die Ortserkundung per Rad, zu der die Maichinger Grünen am vergangenen Dienstag eingeladen hatten.
Bebauen oder freihalten? Diese Frage begleitete wie ein roter Faden die zahlreichen Interessierten. Lieber Baulücken in bereits vorhandenen Wohngebiete schließen und Leerstand der Nutzung zuführen oder weitere Neubau-Gebiete wie die weitläufige Ackerfläche „Mühlweg“ südlich der Maichinger Krautgartensiedlung im Außenbereich erschließen?
An drei Stationen beschrieben die Mitglieder im Ortschafts- und im Gemeinderat, welches Dilemma zwischen dem Siedlungsdruck auf der einen und dem Flächenschutz auf der anderen Seite bestehen. „Die beanspruchte Wohnfläche pro Person steigt. Single-Haushalte nehmen zu, Arbeitswege sollen zu Recht kurz sein und auch im Alter wollen viele Menschen ihren vertrauten Wohnraum nicht reduzieren“, beschrieb Monika Haug die Relevanz zur Schaffung von Wohnraum. „Wir Grünen bevorzugen die maßvolle Nachverdichtung innerorts vor der Zersiedelung im Außen“, so Gemeinderat Helmut Hoffmann.
Beispiele dafür seien z.B. die Flächen der ehemaligen Betriebe der Gärtnerei Klauß oder des Stuckateurs Widmann. Im Zuge des Generationenwechsels ermöglichen die freigewordenen Betriebsflächen den Neubau einer markanten Anzahl von Wohnungen.
Durch die Anpassung von Vorschriften bei der Dachgestaltung oder der Nutzung könnte sogar noch mehr Wohnraum im Bestand geschaffen werden.
Warum der Schutz der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Gebiet Mühlweg so bedeutend ist, erläuterte Sigmund Kemmler für die anwesenden Landwirte: „Diese Böden haben eine Qualität höchster Güte. Sie sind besonders ertragreich und speichern auch in Trockenzeiten ausgezeichnet Feuchtigkeit. Was wir hier ernten, wird regional auf kurzen Wegen vermarktet. Die regionale Lebensmittel-Erzeugung schafft Versorgungssicherheit und mit der Vermarktung Arbeitsplätze auch im nachgelagerten Handel und Gewerbe“.

Der Verlust von über 30 ha plus den notwendigen Erschließungsflächen könnte dabei manche der seit Generationen in Maichingen wirtschaftenden Betriebe in der Existenz gefährden. „Landwirtschaft ist auch Wirtschaft, die wir fördern wollen“, bestätigte Sabine Kober als anwesende Regionalrätin unterstützende Überlegungen seitens der Regional-Parlamente.
Der freien Flur komme eine wichtige klimatische Wirkung als Frischluftzufuhr zu sowie als Erholungsraum für die Freizeitgestaltung, merkte eine Anwohnerin an. Diese würden durch eine Bebauung versiegelt und eingeschränkt.
„In Sindelfingen werden mit dem Krankenhaus-Areal und dem Goldbach-Quartier in den kommenden Jahren stattliche Wohnbau-Projekte umgesetzt werden. Da brauchen wir nicht noch neue Bebauungspläne fassen“ verwies Ulrich Hensinger als Grüner Gemeinderat auf zu erwartende Entlastungen auf dem Wohnungsmarkt.
Mehrere Beteiligte regten an, die Landwirtschaft stärker in Planungen zum Wohnungsbau mit einzubeziehen und regional über Markungsgrenzen hinweg zu kooperieren. Am Ende fiel das Votum der Anwesenden eindeutig aus: die Freiflächen am Ortsrand sollen frei bleiben. „Das bedeutet aber, dass wir innerorts die Nachverdichtung in Kauf nehmen und gleichzeitig klimafreundlicher bauen müssen“, mahnte Monika Haug die Konsequenzen des Interessenkonfliktes an und wurde von Waltraud Raith ergänzt: „Jeder Balkon und jeder Vorgarten kann klima- und insektenfreundlich werden“.




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