Wie barrierefrei ist Sindelfingen?

Zuhören, mitdenken und Ideen sammeln beim Stand von Bündnis 90/Die Grünen am Samstag auf dem Wochenmarkt

„Mit meinem E-Rolli komme ich noch überall hin“ berichtet freudestrahlend ein 95-jähriger Herr, der die Planie über den Markt rollt. Er genießt die Freiheit, die ihm der elektrisch betriebene Rollstuhl gibt. Wie steht es jedoch mit Menschen, die mit einem herkömmlichen Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind? Wie geht es Eltern mit ihren Kinderwägen? Diese Frage stellte der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen zahlreichen Passanten am Samstag auf dem Markt. Vielfach war die erste Antwort „Da ist noch viel Luft nach oben“. Betroffene berichteten über zu hohe Bordsteinkanten, Wege, die zugeparkt sind, sodass man über die Straße ausweichen muss, über kleine und größere Straßenschäden am Belag und Pflaster und vieles mehr. Für all die Menschen, die noch keine Erfahrungen mit Rollstuhl oder Rollator hatten, standen entsprechende Hilfsmittel parat: das Sanitätshaus Bächle hatte diese großzügig zur Verfügung gestellt. Und der Perspektivwechsel, der von einigen Manschen vorgenommen wurde, öffnete vollkommen neue Beobachtungswinkel: der Bordstein wirkte viel höher, eine Vielzahl der Geschäfte sind unerreichbar oder auch die Blicke zu spüren, die einen plötzlich als „Behinderten“ trafen.

In Summe kamen 55 Anregungen und Beobachtungen zusammen, die mit Zetteln in einer Kiste landeten. Bei allen ist der zugrundeliegende Tenor: es braucht hier keine perfekte Lösung, es können schon die kleinen Dinge sein, die uns Betroffenen vielfach das Leben deutlich erleichtern können.

Einige Beispiele: die Ampelschaltungen an der Mahdentalstraße beim Mariott zwingt jeden zu einem Zwischenstopp auf der vielbefahrenen Straße, da die Fußgängerampeln nicht in einer Phase Grün werden.

Eine weitere Idee ist, dass die Bordsteinkanten, die bereits flach und abgesenkt sind, farblich hervorgehoben werden sollten. Damit kann jeder Betroffene schneller diese Hilfen finden und andere Menschen rücksichtsvoller damit umgehen. Denn allzu oft wird genau an diesen Stellen auch mal das Auto abgestellt.

Ein Mangel an Sitzgelegenheiten, die zum Ausruhen oder beim Warten genutzt werden können. Viele der „Grünen Meter“ sind aus dem Stadtbild verschwunden oder auch einfach ein paar Stühle mehr in Wartebereichen von Banken oder Einrichtungen anbieten.

Viele weitere Anregungen, die zum großen Teil mit genauen Detailangaben aufgeschrieben wurden, sind nun erfasst. Mit der zweiten Aktion der Grünen am 4. August in Maichingen (Treffpunkt Eingang Bezirksamt um 17 Uhr) wird diese Liste weiter angereichert. Anschließend soll diese Liste im Rathaus OB Kleemann überreicht werden, sodass aus der Umfrage unter den Bürger:innen auch konkrete Umsetzungen durch die Stadt erfolgen können. Denn eine barrierearme Stadt, um bewusst barrierefrei als weiteres Ziel davon zu unterscheiden, ist für einen sehr großen Anteil der Einwohner:innen ein großer Gewinn: Eltern mit Kinderwägen, ältere Menschen mit Hilfsmitteln, Fahrradfahrer von Kleinkind bis Erwachsener, körperlich eingeschränkte Menschen und viele Gruppen mehr, die einen erleichterten Zugang zu der Stadt und in ihrer Stadt benötigen. Diese Aktion unterstreicht die Bemühungen der AMSEL Kontaktgruppe, wie Frau Obst berichtete, die ebenfalls bei OB Kleemann einen Termin hat, um eine Arbeitsgruppe Barrierefrei zu etablieren.

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